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Die Mitte im Gespräch

Quartiervereine zwischen Engagement, Einfluss und politischen Prozessen

„Die Mitte im Gespräch“ diskutiert die Zukunft der Zürcher Quartiere

Wie viel Mitsprache haben Quartiervereine wirklich? Und wer entscheidet, was ein Quartier braucht`? Ist es die Bevölkerung oder die Stadtregierung? Diese Fragen standen im Zentrum der Veranstaltung „Die Mitte im Gespräch“ der Partei Die Mitte Kreis 7+8 am 27. Januar 2026 im Restaurant Grain.

 

Gefragt, gefordert – aber zu wenig gehört

In seinem Inputreferat betonte Martin Bürki, Präsident der Quartierkonferenz Zürich, die lange Tradition der Quartiervereine. Sie seien politisch neutral, würden oft als Stimme der Bevölkerung konsultiert und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Quartierleben. Gleichzeitig, so Bürki, beruhe ihre Arbeit fast vollständig auf Freiwilligenarbeit, während die Stadt oft hohe Anforderungen an Projekte stelle und dies bei begrenzten finanziellen Mitteln. Dieses Missverhältnis belaste das Engagement zunehmend.

 

Stadtentwicklung versus Quartierbedürfnisse

Auf dem Podium, moderiert von Anton Ladner vom Fluntern Magazin, trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Dr. Petra Hagen Hodgson betonte, Quartiere lebten vor allem von den Menschen, nicht von Infrastruktur allein. Karin Weyermann, Gemeinderätin und Stadtratskandidatin (Die Mitte), ergänzte, dass Quartierbindungen trotz alternder Vereinsstrukturen weiterhin stark seien, insbesondere bei jungen Menschen und eine grosse Identifikation in Zürich mit dem jeweiligen Quartier besteht. Bürki verwies zudem auf eine steigende Nachfrage nach lokalen Angeboten, gerade bei Neuzuzügern und nicht deutschsprachigen Bewohnerinnen und Bewohnern, etwa für Veranstaltungen in Englisch.

Während Bürki und Weyermann mehr Mitsprache für Quartiervereine forderten, hielt Günther Arber, stellvertretender Direktor Stadtentwicklung Zürich, dagegen: Die Stadt müsse Projekte im Rahmen rechtlicher Vorgaben, komplexer Planungsprozesse und demokratischer Entscheide umsetzen. Hagen stellte infrage, ob Mitwirkungsprozesse tatsächlich echten Einfluss ermöglichten, während Weyermann kritisierte, die Stadtverwaltung höre Quartiervereine zu wenig an und entferne sich von den Anliegen der Bevölkerung.

Moderator Ladner sowie Dr. Petra Hagen nannte konkrete Fälle, in denen städtische Projekte gegen den Widerstand der Quartierbevölkerung umgesetzt worden seien, etwa eine kostspielige Begegnungszone in Fluntern an einem wenig genutzten Ort. Bürki bestätigte, dass politische Entscheide oft an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbeigingen. Arber verwies erneut auf demokratisch legitimierte Zuständigkeiten und die Rolle von Parlament und Gemeinderat.

 

Politische Frustration und demokratische Mitsprache

Bürki und Weyermann stellten eine wachsende Frustration bürgerlicher Kreise fest: Gewerbetreibende und wirtschaftsnahe Vertreter zögen sich zurück, da sie sich politisch nicht mehr gehört fühlten. Weiter wurde die Rolle von Menschen ohne Stimmrecht thematisiert, die ebenfalls in den Quartieren wohnen und sich engagieren wollen. Weyermann sprach sich für stärkere Mitwirkungsmöglichkeiten auf Gemeindeebene aus und stellte klar, dass sie sich für die Abstimmungs- und Wahlrechte für Ausländer:innen auf Gemeindeeben einsetzt.

In der anschliessenden offenen Diskussion meldeten sich zahlreiche Gäste zu Wort. Der Vertreter vom Quartierverein Hottingen kritisierte insbesondere Defizite in der Kommunikation der Stadt und mangelnde Transparenz bei Projekten. Zum Abschluss zog sich die Diskussion in einen informellen Austausch über, mit einem klaren Tenor: die bevorstehenden Wahlen werden als entscheidend für die politische Balance, die Stärkung der Quartiere und die Nähe zwischen Stadtregierung und Bevölkerung angesehen.

(Patricia Mattle, Vorstandsmitglied)