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Die Zürcher Drogenpolitik: Die Mitte fordert eine ehrliche Auslegeordnung

9. September 2026 – Die Crack-Krise hat Zürich erreicht. Die Mitte hat im Gemeinderat deshalb ein Postulat eingereicht, das vom Stadtrat eine Prüfung der bestehenden Umsetzung der Vier-Säulen-Drogenpolitik verlangt.

Im Juli bestätigte die Stadt, was in der Bevölkerung längst klar ist: An der Bäckeranlage, auf dem Kasernenareal, im Bereich Hauptbahnhof/Gleis 3 und Gessnerallee sowie am Schanzengraben bilden sich neue Brennpunkte mit Ansätzen für offene Drogenszenen. Die Stadtpolizei reagiert mit mehr Patrouillen, Personenkontrollen und Wegweisungen. Das ist richtig und notwendig – doch die Stadt räumt selber ein, dass polizeiliche Massnahmen allein keine nachhaltige Lösung bringen.

Das Vier-Säulen-Modell aus Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression ist eine Erfolgsgeschichte: Dank ihm konnte vor dreissig Jahren die grösste offene Drogenszene Europas beendet werden; ein besseres Modell gibt es nicht. Der Crack-Krise ist es in seiner Form aus dem Jahr 1995 aber nicht mehr gewachsen. Crack wirkt verheerend auf die psychische Gesundheit, war noch nie so billig, so rein und über so viele Kanäle erhältlich – und anders als beim Heroin gibt es kein Substitut. Auch die Konsumierenden sind heterogener geworden: von älteren ehemaligen Heroinkonsumierenden bis zu Menschen mit psychischen Belastungen.

Überraschend kommt die Entwicklung nicht: Bereits 2021 erreichte die Krise Genf und damit die Schweiz. Die Jahre dazwischen hat der Stadtrat weitgehend ungenutzt verstreichen lassen – erkennbar sind kurzfristige Massnahmen, aber keine langfristige Strategie.

Das Postulat verlangt deshalb eine Überprüfung, welche Anpassungen es in der Zusammenarbeit mit dem Kanton, anderen Städten und Gemeinden sowie den Akteuren in der Stadt braucht. Zu prüfen ist, ob Standorte, Kapazitäten und Angebote der Kontakt- und Anlaufstellen angepasst oder kombiniert werden müssen und wie Polizei, Sozialarbeit und medizinische Versorgung zusammenspielen sollen. Einbezogen werden sollen Städte im Einzugsgebiet des Zürcher Drogenmarktes wie Winterthur, St. Gallen oder Chur sowie Genf und Lausanne, die bereits Erfahrung haben.

«Die Erkenntnis aus der Heroin- und Aids-Krise war, dass es alle vier Säulen braucht – nicht nur jene, die einem politisch am nächsten liegen. Diese Erkenntnis droht gerade verloren zu gehen», sagt Wolfgang Kweitel, Gemeinderat und Präsident der Mitte Stadt Zürich. «Eine Neuauflage der Debatte Repression kontra Laissez-faire kostet nur wertvolle Zeit. Wir wollen keine Symbolpolitik, sondern eine ehrliche Auslegeordnung.»

Postulat

Postulat PDF Datei von 10. September 2026